14.11.06
Australien – “terra australis“
Australien ist ein überaus interessantes Land. Schon der Name dieses Kontinents ist spannend. Australien leitet sich nämlich von „terra australis“ – „Land im Süden“ ab. Relativ lange sprach man von „terra australis incognito“, d.h. vom unbekannten Land im Süden. Dies deshalb, weil man zwar vermutete, dass es auf der Südhalbkugel eine grosse Erdmasse geben muss, eindeutige Beweise aber fehlten. Erst aus dem 17. Jahrhundert gibt es gesicherte Berichte von der Entdeckung Australiens. Die eigentliche Besiedelung durch die Europäer fand dann erst um 1770 statt. Wegen den kargen Rohstoffen, dem rauen Klima und den zum Teil tödlichen Begegnungen mit den Ureinwohnern, den Aborigines, mass man dem Land keine grosse Bedeutung zu. Erst als sich im damaligen England die Gefängnisse füllten (die Gesellschaft wollte die ‚unwürdige’ Unterschicht loswerden, weshalb man bereits für kleine Vergehen hinter Gitter musste), suchte die Führung nach einer Lösung. Eine Verschiffung ins Niemandsland „terra nullius“ bot sich an: einerseits war man damit die Gefangenen los, andererseits bot sich ja eventuell doch noch eine Gelegenheit, etwas aus diesem Niemandsland zu machen. Und weil es Niemandsland war, wurde es sogleich zum Besitz der englischen Krone erklärt. Wie es weiterging mit der Kolonialisierung, den Aborigines, der Entdeckung des Landesinnern, der Beziehung zu Neuseeland und wieso man ohne weiteres mit dem Premierminister John Howard frühmorgens Joggen gehen kann – das interessiert wohl niemanden, schliesslich wollte ich ein paar Eindrücke meines kurzen Aufenthalts in Australien vermitteln und keine Geschichtsvorlesungen halten (PS: wer hätte gedacht, dass ICH mich mal für Geschichte interessiere…)
Tja, die Reise nach Sydney ist nun auch schon eine Weile her. Und bestimmt gibt es viele Sachen, an die ich mich momentan nicht mehr erinnere. Doch einige Gedanken und Eindrücke werden wohl lange präsent bleiben. Da sind zum einen sicher mal die verschiedenen Dimensionen: in Australien ist einfach alles GRÖSSER.
- Das Land ist riesig: Du fliegst Stunden und Stunden, um von der Westküste an die Ostküste zu gelangen. Auch Sydney ist gewaltig. Mit seinen rund 4.5 Millionen Einwohnern ist es die grösste Stadt in Australien (Australien hat übrigens nur rund 20 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: Die Stadt Mexiko City alleine zählt 22 Millionen Einwohner – beide Zahlen sind unglaublich!).
- Die Menschen sind auch grösser (oder besser gesagt breiter :-) zumindest rund die Hälfte davon. Ist wirklich krass, wie viele fettleibige Leute in Sydney (Business District) rumlaufen. Aber irgendwie verständlich: an jeder Strassenecke gibt es so genannte ‚food courts’ wo du dich mit den verschiedensten und feinsten Speisen vollschlagen kannst. Und dies geschieht meist husch-husch und im Stehen. Sich beim Essen Zeit lassen, an einen schön gedeckten Tisch sitzen und soziale Kontakte pflegen scheint für viele Sydneysider unvorstellbar. Verlässt man aber das Zentrum in Richtung Strand, ändert sich das Bild drastisch: Durchtrainierte, braungebrannte und ab und zu wohl auch ein bisschen präparierte Bodies tummeln sich im und am Wasser. Ein Augenschmaus.
- Auch die 50cent Stücke sind grösser, viel grösser. Was ich dabei aber nicht verstehe, die 1Dollar oder 2Dollar Stücke sind dann wiederum kleiner, und auch die 20cent oder 10cent Stücke. Irgendwie nicht logisch.
- Was mich am meisten beunruhigt hat ist eine Begegnung mit einer riesen Spinne, so einer richtig grossen. Selbst meine Gastmutter war beeindruckt, rückte dann aber grad mit einer Chemiekeule an (da war ich schon ein bisschen überrascht. Dachte die Aussies, die streicheln die Spinne zuerst und reden ihr gut zu, bevor sie sie irgendwo in der Natur wieder aussetzen – weit gefehlt.)
Beeindruckend an dem Land sind auch die Leute. Die meisten haben den easy-going, no worries – Style. Sie lassen sich wirklich nicht stressen und sind überaus freundlich. Falls du mal ein Problem hast hilft dir jede und jeder gerne. Beispiele:
- du fragst in einem Pub nach dem Weg: die Bardame erklärt dir nicht einfach, wo du wie laufen musst. Nein, sie kommt mit dir raus auf die Strasse, läuft bis zur nächsten Strassenecke und zeigt dir, wo du nun hinmusst. Das nenn ich ein Service (noch ein Abschiedskuss und er wäre perfekt ;-)
- du stehst bei der Bushaltestelle und studierst den Fahrplan, wahrscheinlich mit einem grossen Fragezeichen auf der Stirn. Schon spricht dich jemand an und fragt, ob er irgendwie helfen kann – habt ihr das schon mal zum Beispiel hier in der Schweiz erlebt?
- Zusammen mit einem Kollegen ging ich shoppen. Er kauft sich ein Hemd. Preis 64AUD. An der Kasse hat der Kassier keine 5AUD Noten als Rückgeld. Was sagt er: „Sorry man, I ran out of five dollar notes“ und gibt ihm einen 10 Dollar Schein… .
- Es ist auch normal, dass du im McDonalds nicht nur gefragt wirst, was du essen willst und ob es dazu Cola oder Sprite sein soll. Nein, da fragt man dich auch, wie dein Tag bisher war, woher du kommst, etc. Am Anfang stehst du so da und fragst dich: redet sie mir mir? Habe ich sie wirklich richtig verstanden?
Im Pub bist du meist nicht lange alleine. Der Barkeeper oder die Leute rechts und links von dir integrieren dich sofort ins Gespräch und sind sehr interessiert, was du zu berichten hast. Und auch sie wissen viel zu erzählen. Die meisten Leute die ich traf, sind bereits ziemlich viel in der Welt rumgekommen und können deshalb interessante Geschichten erzählen.
Vor allem fasziniert war ich von Brisbane. Leider konnte ich nur ein Wochenende dort verbringen. Aber bereits bei der Ankunft am Flughafen fühlte ich mich pudelwohl. Weshalb das so war, kann ich nicht sagen. Klar, einige objektiv feststellbare Unterschiede zu Sydney gibt es schon. Einerseits ist die Bevölkerung in Brisbane eher „einheimisch“ (europäisch/australisch) als in Sydney, wo es ziemlich viele Asiaten (vor allem Chinesen, Japaner) hat. Andererseits ist Brisbane einiges kleiner, überschaubarer, mit mehr Charme und auch viel sicherer (was in Sydney nicht immer der Fall ist). Brisbane wird ganz bestimmt wieder einmal mein Reiseziel sein. Dann möchte ich auch andere Städte (vor allem Darwin) und das Outback Australiens erkunden. Bis es aber soweit ist, muss ich mich wohl mit den paar wenigen Photos begnügen, welche ich -leider nur per Handy- in Australien geschossen hab. Natürlich sollen sie auch euch nicht vorenthalten bleiben: Click here
Posted by Bruno at 21:10 | Comments (1)